KINDHEIT UND JUGEND

 

1978 - 2000:

Robert Will wurde im Juni 1978 in Harris County, Texas geboren. Er wuchs in einem sehr chaotischen Haushalt, mit einem heroinabhängigem Vater und einer labilen Mutter, auf. Rob´s früheren Jahre war weit entfernt von einer Familienidylle. Er wurde von seiner frühen Kindheit bis zum Jugendalter physisch und sexuell missbraucht. Als Rob 10 Jahre alt war wurde sein Vater ermordet. Rob war immer ein sehr aufgeweckter Schüler. Das erste Mal kam Rob mit dem Gesetz in Konflikt, als er 17 war und wurde daraufhin für 18 Monate in ein Bootcamp geschickt. Die dortige, strukturierte Umgebung, ermöglichte es ihm ein GED High School Equivalency Diploma, mit einem hervorragendem Notendurchschnitt, zu bekommen. Danach schrieb er sich auf dem Houstoner Community College für Kinderpsychologie ein, weil er Kinder helfen wollte, die – wie er selbst – ein hartes und schmerzvolles Leben haben.

Im Jahr 2000 wurde Rob´s Sohn geboren. Rob war außer sich vor Freude, obwohl das nun die Verantwortung, ein Vater für seinen Sohn und ein Stiefvater für das ältere Kind seiner Freundin zu sein, mit sich brachte.

 

DAS VERBRECHEN

Dezember 2000:

In der Nacht zum 4. Dezember 2000, stahlen Rob und ein Freund Autoteile von einem parkenden Wagen in einer bewohnten Houstoner Gegend. Zwei Polizisten erwischten sie dabei und Rob und sein Freund flohen, während die Polizisten hinter ihnen her rannten. Deputy Barrett Hill erwischte und erfasste Rob, legte ihm Handschellen um und sagte über Funk durch “Ich habe jemanden in Gewahrsam genommen.” Ein paar Augenblicke später, erreichte Rob´s Freund die Szene der Verhaftung, zog seine Waffe und schoß mehrere Male of Deputy Hill, was zu seinem Tode führte. Während der Schüsse, wurde Rob auch in die Hand getroffen. Rob´s Freund schloss die Handschellen auf und beide verließen schnell den Tatort. Rob, verletzt und blutend, wurde wenig später geschnappt und in festgenommen. Trotz dem Fehlen von Schmauchspuren oder anderer forensischer Beweise wurde Rob bezichtigt der Schütze zu sein und des Kapitalverbrechens beschuldigt. Sein Freund, der der Sohn eines hochrangigen Polizeibeamten aus Houston ist, wurde des Autodiebstahls beschuldigt.

 

DAS VERFAHREN

2002:

Während der Gerichtsverhandlung, bei der Chuck Rosenthal, Houstons Bundesbezirksstaatsanwalt, den Prozess führte, wurde Rob von sehr unerfahrenen und unwirksamen, vom Gericht bestellten Pflichtverteidigern vertreten. Diese Inkompetenz seiner Anwälte war eines der beginnenden Probleme während der zweieinhalb Wochen langen Verhandlung wegen Mordes. Die folgenden sind einige, der anderen Probleme, mit denen er währenddessen konfrontiert wurde:
Weil das Opfer eine Hilfssheriff war, hatte die Vereinigung der Polizisten ( The Police Officers Union) dafür gesorgt, dass sehr viele uniformierte Polizisten, mit Trauerbänder für ihren gefallenen Kameraden, im Gerichtssaal saßen,in der Nähe der Geschworenen. Diese Taktik ist bekannt dafür, Geschworene zu beeinflussen.
Zwei der Geschworenen, hatten engen Kontakt zum Houstoner Polizei Department, was sie von Beginn an befangen machte.
Das Gerichtsverfahren war nicht lange nach den tragischen Ereignissen des 9. September 2001. Rosenthal nutzte die Angst und die Unsicherheit, die zu diesem Zeitpunkt in den Staaten herrschte, aus und verglich Rob mit den Terroristen:

“Was wir seit dem 11. September wissen ist, dass das Böse in der Welt existiert: Es ist verkörpert in Robert Gene Will.” Chuck Rosenthal

24. Januar 2002:

Rob wird zum Tode verurteilt.

 

DIE BERUFUNGEN

Unglücklicherweise waren Rob´s Berufungen noch unwirksamer, als sein Gerichtsverfahren. Sein vom Gericht bestellter Pflichtverteidiger, Leslie Ribnik, reichte zwei identische Berufungen (einschließlich desselben Tippfehlers auf Seite 17) für Rob und Angel Maturino Resendiz, bekannt unter dem Namen “Railroad Serienmörder”, der im Jahr 2006 hingerichtet wurde, ein. Der Journalist, Chuck Lindell, kommentierte Ribniks Leistung in seinem Artikel für den Austin American Statesman:

“Kritik kommt um Ribniks Leistung auf, oder das Fehlen dieser, ein weiterer Schandfleck im Todesstrafensystem von Texas, welches auf unterschiedliche Erfahrungen, Qualifikationen und Motivation von Pflichtverteidigern vertraut”

Im Rahmen dieses Artikels, sagte Richard Ellis, ein kalifornischer Anwalt, was ihn trotz der gleichen Berufungsschriftstücke mehr beunruhigte, war:

“..der geringe Umfang von Will´s Einreichung. Es scheint sehr dünn zu sein. Ich schreibe im Durchschnitt 400-500 Seiten bei einer solchen Berufung, nicht mitgezählt die Beweise, die 1000 Seiten umfassen können.”

Steven Bright, der Präsident und Senior Beistand des Southern Center For Human Rights, bezeichnete Rob´s Berufungsanwalt als:

“Total inkompetent. Diese schlechte anwaltliche Qualität ist so üblich an diesen Gerichten. Die lehnen einfach diese Berufungen ab, die auf einem Wissen basieren, mit dem man nicht einmal eine Prüfung im ersten Jahr eines Kurses für Rechtstexte, bestehen würde.” (Aus einer Rede vor dem U.S House of Representatives)

19. Oktober 2011:

Hauptsächlich basierend auf den Zeugen, die es seit Rob´s Hauptgerichtsverfahren gab und die unter Eidesstaat versicherten, dass Rob´s Freund den Mord an Deputy Hill gestanden hat, wurde einer Beweisanhörung im Jahre 2011 zugestimmt, um den neuen Beweisen eine Möglichkeit zu geben, vor Gericht angehört zu werden. Leider war die Anhörung, durch die Einschränkungen, die dem Gericht unterliegt, nicht erfolgreich. Dies ist genau so bedauerlich, wie die Frustration des vorsitzenden Richters des Bezirksgerichtes, Keith Ellison der darlegte:

“Die Fragen, die wegen Will´s tatsächlicher Unschuld nach dem Urteil aufkamen, erzeugen verstörende Unsicherheiten”, schrieb Ellison in seinem Memorandum vom 17. Januar 2012. “Neben den erheblichen Beweisen, die die Unschuld von Will unterstützen und den schwerwiegenden Fehlern in der Hauptgerichtsverhandlung, muss ebenfalls das Nichtvorhandensein eidesstaatlicher Erklärungen von Augenzeugen und beweiskräftigen forensischen Beweisen, angesprochen werden. Mit diesen Fakten und den unwesentlichen Beweisen, die Will´s Verurteilung und die Todesstrafe unterstützen bedauert das Gericht, die strengen Beschränkungen, die ihm hier verbleiben.”

Ellison nannte, eine Entscheidung des Richters der ersten Instanz einen “verhältnismäßig schwerwiegenden Fehler” und sagte, dass die Anwesenheit der Horden von Polizisten im Gerichtssaal “wahrscheinlich eine gerechtfertigte Revision in der nachfolgenden Berufung erleichtert hätte”.

2012:

Als Rob ab Januar 2012 dem 5th Circuit of Appeals “gegenüberstand”, bekam er erneut einen neuen Rechtsanwalt gestellt. Im Mai 2012, gab der 5th Circuit Court seinen Fall an das U.S. District Court zurück. Das ist ein positiver Schritt auf Rob´s langer Reise seine Unschuld zu beweisen.

 

ROBERT WILL, DER MENSCH

Rob ist nun seit fast 12 Jahren 23 Stunden am Tag eingesperrt und kämpft um sein Leben, während er die hochgradige Einsamkeit und die Deprivation, aushält. Frühstück gibt es um 2:30 nachts, Mittagessen um 9:30 Uhr und Abendessen um 15:30. Am Wochenende gibt es nur zwei Mahlzeiten, damit der Staat Texas Geld sparen kann. Grundsätzlich führen solchen Lebensbedingungen dazu, die Hoffnung auf alles aufzugeben. Bei Rob ist das nicht der Fall. Er nimmt jede Möglichkeit wahr um aus sich einen besseren Menschen zu machen. Während seiner Inhaftierung ist er ein zertifizierter Yogameister geworden. Er meditiert täglich und versucht in einem Fernstudium einen Abschluss an der Universität von Louisiana zu machen (er ist erst die zweite Person im Todestrakt, die das tut). Rob ist ein begeisterter Leser und liebt Bücher über Psychologie, Kunst, Geschichte und Romane. Er hat zudem eine sehr aktive Rolle in seinem Berufungsprozess.

Rob ist ebenso ein Mitbegründer von The DRIVE Movement . Drive Movement ist eine Gruppe von Inhaftierten und Aktivisten, die gewaltfreie Proteste organisieren und durchführen, in denen sie sich, innerhalb der Gefängnismauern, für bessere Haftbedingungen und gegen die Todesstrafe einsetzen.

Als leidenschaftlicher autodidaktischer Künstler, kreiert Rob mit den stark limitierten Kunstmaterialien, die im Todestrakt erlaubt sind, außergewöhnliche Arbeiten. Im Januar 2012 wurden Rob´s Arbeiten mit großem Erfolg in einer Galerie ausgestellt.